Ateminsuffizienz

Atemschwäche oder Ateminsuffizienz beschreibt einen Zustand, in dem Betroffene durch eine reduzierte Atembewegung nicht in der Lage sind, den Organismus ausreichend mit Sauerstoff (Hypoxämie) aus der Lunge zu versorgen. Einer gestörten Atemmechanik können eine Vielzahl von Ursachen und Grunderkrankungen zugrunde liegen, eine Ateminsuffizienz ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptomenkomplex. Neben Störungen und Veränderungen in Lunge und oberen Atemwegen, Herz-Kreislauf- oder Muskel-Erkrankungen sind auch neuronal bedingte Auslöser inklusive Polyneuropathien möglich.

Ateminsuffizienz

Symptome und Verlauf einer Ateminsuffizienz

Charakteristisch sind flache, schnelle Atmung und Kurzatmigkeit bei stärkerer Belastung. In frühen Stadien kann der Körper die nachlassende Sauerstoff-Versorgung noch weitgehend kompensieren, indem Atem- und Herzfrequenz (Tachykardie) steigen.

Im weiteren Verlauf gerät ein Betroffener bei Anstrengungen in Luftnot, ein Zustand, der starke Erstickungsängste auslöst. Zur Vermeidung meidet er häufig körperliche Belastungen, bis selbst in Ruhe Sauerstoffmangel eintritt.

Begleitend kommen weitere Folgen der Unterversorgung hinzu: Extremitäten wie Zehen oder Finger, Nase und Ohren sind blau verfärbt, es entwickeln sich Zyanosen – langfristig dann Verformungen wie die typischen Trommelschlägelfinger (verdickte Fingerendglieder) und Uhrglasnägel (große gewölbte Fingernägel). Auch das Lungengewebe erfährt bleibende Veränderungen, versteift und verliert an Elastizität.

Der schnellere Herzschlag-Rhythmus wird fühlbar als heftiges Herzpochen (Palpitationen). Eine Häufung von Entzündungen wie Bronchitis und Pneumonie als Folge der Minderbelüftung verschlechtert noch den Allgemeinzustand.

Mit fortschreitender Hypoxie (Sauerstoffmangel) sinken trotz höherer Schlagfrequenz das Herz-Zeit-Volumen (Bradykardie) und der Blutdruck. Schwindel, Müdigkeit und Erschöpfung treten nehmen zu. Flüssigkeit sammelt sich im Gewebe (Ödeme) und in den Atemwegen, das Abhusten ist erschwert und der Atem rasselt oder pfeift.

Mangelhafter Gasaustausch bedeutet auch Anreicherung von CO2 im Blut durch reduzierte Abatmung. Kohlendioxid wiederum löst eine CO2-Narkose (Hyperkapnie) aus mit schlechtem, unruhigem Schlaf, Schwitzen, Flachatmung sowie morgendlichen Kopfschmerzen. Begleitet von starker Mattigkeit, reduzierter Konzentrations- und Merkfähigkeit, Verwirrtheitszuständen und Gereiztheit kommt es zu neurologischen Störungen bis hin zu epileptischen Anfällen oder gar Koma. In der Spätphase dann versagt akut die Lunge und oder mehrere Organsysteme

Ursachen für eine respiratorische Insuffizienz

Unterschiedliche Teilprozesse bestimmen, wie effizient die äußere Atmung, also die Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe ins beziehungsweise aus dem Blutkreislauf arbeitet. So können Störungen in der Belüftung (Ventilation) innerhalb der Atemwege, der Durchblutung von Lungenbläschen (Alveolen), des dortigen Gasaustauschvorgangs (Diffusion) oder Verteilungsstörungen (Distribution) an einer Atemschwäche beteiligt sein. Doch auch die Steuerung spielt eine zentrale Rolle, denn die Atemmuskulatur ist Stellglied für das Luftvolumen beim Einatmen.

Chronische Bronchitis, Mukoviszidose, Lungenentzündungen, Lungentumoren, Lungenfibrosen, COPD oder Lungenemphysem können eine chronische oder akute Ateminsuffizienz auslösen. Einatmen von Fremdkörpern oder Wasser (Ertrinken) und Lungenverletzungen (Pneumothorax) führen zu akutem Atemversagen und damit einem lebensbedrohlichen Notfall.

Kardial bedingt kommen ein Lungenödem bei Herzschwäche oder Herzinfarkt und eine Lungenembolie als Auslöser schwacher Atmung infrage.

Degenerative Muskel-Erkrankungen verschiedener Formen sind teils ebenfalls mit einer Schwächung der Atempumpe assoziiert.

Ateminsuffizienz kann Folge einer zentralnervösen Erkrankung oder Verletzung des Atemzentrums sein: Schädel-Hirn-Trauma, Medikamenten- oder Alkoholvergiftung, Schlaf-Apnoe-Syndrom, Schlaganfall.

Schließlich haben auch periphere neuronale Störungen und Polyneuropathien öfter atemdepressive Auswirkungen, so zum Beispiel das Guillain-Barré-Syndrom, chronisch-entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie, Myasthenia gravis oder Nervenverletzungen und -traumata.

Diagnose einer Atemschwäche

Zur Feststellung einer Ateminsuffizienz und deren Ursache oder Grunderkrankung erfährt ein Patient umfangreiche Lungenfunktionstests. Hierzu zählt die Spirometrie, bei der unter Anleitung in das Mundstück eines Spirometers ein- und auszuatmen ist – normal und forciert. Die Spirometrie liefert Daten über Lungenvolumina und Atemkapazitäten. Bei der Ganzkörperplethysmografie erfolgen ähnliche Messungen innerhalb einer geschlossenen Kammer. Daraus gewinnt der Pneumologe Angaben über Gasvolumen und die totale Lungenkapazität.

Ergänzt werden die Untersuchungen durch bildgebende Verfahren zur Darstellung des Brustkorbs: Röntgen-Thorax, Computertomografie, MRT oder Lungenszintigrafie. Auch eine mögliche Endoskopie der Bronchien gehört dazu. Sie geben Aufschluss über morphologische Gegebenheiten und Veränderungen.

Zusätzlich erfolgt eine arterielle Blutgasanalyse zur Bestimmung der Gasverteilung von Sauerstoff und Kohlendioxid inklusive pH-Wert.

Ateminsuffizienz-Therapie

Nach den Ergebnissen der Diagnostik richtet sich die gesamte Therapie aus. Je nach zugrundeliegendem Auslöser und Schwere der Ateminsuffizienz ist nur mit einer ursächlichen Behandlung eine Besserung der Lungenfunktion zu erreichen. Dies kann chirurgische Eingriffe bedeuten, medikamentöse Behandlung, physikalische Therapien oder auch Lungentraining. So kommen beispielsweise Antibiotika in Betracht bei bakteriell bedingter Lungenentzündung, Sprays zur Erweiterung der Bronchien. Sauerstoffgabe gehört mit zu den Sofortmaßnahmen und begleitet viele Betroffene weiterhin. Andere Patienten, insbesondere mit chronischer Atemschwäche leben fortan mit einem Beatmungsgerät (z. B. BIPAP), welches sie bei der Spontanatmung unterstützt und zusätzlichen Sauerstoff zuführen kann.

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